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Piroggen und Kolobok in der Zwätzengasse


vom 26. Juni 2006

„Irina Dymcenko und ihr Mann Alexander stammen aus einem Dorf in der Nähe von Pawlodar in Kasachstan. Die schlechte wirtschaftliche Lage veranlasste beide, Kasachstan zu verlassen. Über Kostrama an der Wolga gelangten sie vor 6 Jahren nach Thüringen. Erste Station war das Wohnheim für Aussiedler aus Osteuropa in Jena-Ost. Doch auch hier war es schwer eine Arbeit zu bekommen. Irina absolvierte mehrere Maßnahmen und Kurse. Am Ende eines solchen brachte jeder Teilnehmer etwas selbst Zubereitetes mit. Von Irina gab es Piroggen. Die anderen Kursteilnehmer waren begeistert und empfahlen ein eigenes Geschäft, einen Piroggen-Kiosk. Das kam zunächst überhaupt nicht in Frage, doch die Idee hatte sich festgesetzt.



Im Januar 2004 eröffnete Kolobok in der Zwätzengasse 6 und erfreut sich seither steigender Beliebtheit. Der Zufall trieb uns nach Jena, aber die Tatsache dass hier 30.000 junge Leute studieren, haben in unseren Überlegungen natürlich eine Rolle gespielt, sagt Irina. So ist die Nähe zum Uni-Hauptgebäude auch nicht zufällig. Die Gestaltung der Wände mit Motiven Russischer Märchen besorgte eine Freundin. Zu sehen gibt es dort auch den Kolobok (Krapfen): So ein süßer Krapfen trollt sich von einem Fenstersims, wohin er zum Abkühlen gelegt wurde. Er rollt durch die Landschaft und mehrere Tiere versuchen seiner habhaft zu werden. Was Hase, Wolf und Bär nicht gelingt, vermag der schlaue Fuchs. Als der Krapfen seinen Spruch aufsagt, täuscht der Fuchs ein Ohrenleiden vor. Er bittet das Objekt der Begierde auf seiner Nase Platz zu nehmen, um ihn besser verstehen zu können. Von dort ist es dann nicht mehr weit in seinen Mund…



Neben der Suppe Borschtsch und den Kaviar, sind Piroggen die wohl bekannteste Speise aus dem russischsprachigen Raum. Piroggen (Kuchen, Küchlein) sind gefüllte Teigtaschen aus Nudel-, Hefe- oder Blätterteig. Die Füllung und Zubereitung ist regional unterschiedlich.



Die Silbe Pir bedeutet im Russischen auch Schmaus. Piroggen sind Bestandteil von russischen Festmahlzeiten und werden als würziges Appetithäppchen gereicht. Es gibt natürlich auch süße Versionen. In der Zeit der Sowjetunion gab es Piroggen an jeder Straßenecke, als Imbiss für Jedermann. Das Stück kostete damals 5 Kopeken. Heute ist das Gebäck nicht mehr allgegenwärtig. Die Herstellung ist einfach zu aufwendig (vom Anrühren des Teigs bis zur fertigen Pirogge vergehen gut 3 Stunden.), erklärt Irina Dymcenko, Inhaberin des Russischen Gebäck-Laden Kolobok in der Zwätzengasse.“



von Steffen Albrecht
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